100 Jahre Tschechoslowakei in 2018


Funktionalistische Architektur in Königgrätz

2018 ist der 100. Jahrestag der Staatsgründung der Tschechoslowakei. Darüber informierte Markéta Chaloupková, Direktorin der Tschechische Zentrale für Tourismus CzechTourism, am 23. Oktober 2017, dem tschechischen Nationalfeiertag.

Im Anschluss fand der offizielle Empfang anlässlich des Staatsfeiertags der Tschechischen Republik statt, der unter dem Motto "Genießen Sie das Barock mit allen Sinnen“ stand. Die festliche Veranstaltung mit tschechischer Musik und Gastronomie wurde vom Generalkonsulat der Tschechischen Republik in München in Zusammenarbeit mit CzechTourism und der Region Pilsen organisiert.

Am 28. Oktober 1918 wurde der erste unabhängige tschechoslowakische Staat ausgerufen. In der Zeit der Ersten Republik zwischen 1918 und 1939 nahmen Böhmen und Mähren einen rasanten Aufschwung, die Städte veränderten sich, das Kulturleben blühte auf und innovative Firmen betraten die internationale Bühne.

Die Anfangsjahre gelten als goldene Zeit des Modernismus, die das Bild vieler Städte nachhaltig prägte. Das Kur- und Bäderwesen nahm einen Aufschwung, Prager Kaffeehäuser entwickelten sich zu Zentren des gesellschaftlichen Lebens, Marken wie Škoda oder Bat’a wurden in aller Welt berühmt. 


Prag

Mehr als zehn Jahre dauerte die Erneuerung der Prager Burg, die historische Architektur mit modernen Elementen verband. Als Sitz des Staatsoberhauptes wurde sie zu einem Symbol der jungen Republik. Für die Zeit des Aufbruchs stehen die Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Vinohrady, die an die Arche Noah erinnert, oder der funktionalistische Messepalast im Stadtteil Holešovice, der heute die Kunstsammlungen der Prager Nationalgalerie beherbergt.


Hradec Kralové (Königgrätz)

Die Stadt Hradec Kralové (Königgrätz) erhielt in der Zwischenkriegszeit den schmückenden Beinamen „Salon der Republik“. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das bauliche Ensemble aus Gotik, Renaissance und Barock durch beeindruckende Jugendstilbauten ergänzt. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand anstelle alter Festungsanlagen ein neues Stadtviertel, das die Aufbruchstimmung zum Ausdruck bringt.

Bauten im nüchternen Stil des Funktionalismus säumen breite Straßen und große Plätze. Verantwortlich für die Planung war Josef Gočár, einer der bedeutendsten tschechischen Architekten des 20. Jahrhunderts. Heute zieht es Touristen nicht nur in die schön sanierte Altstadt, sondern auch in das moderne Viertel am anderen Ufer der Elbe. Eine drei Kilometer lange Touristenroute führt durch den „Salon der Republik“.


Brno (Brünn)

Funktionalistisches Bauen kam in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch in anderen Städten des Landes in Mode. In der mährischen Metropole Brno (Brünn) baute Mies van der Rohe eine Villa für das jüdische Unternehmerpaar Tugendhat. Der Stahlskelettbau ist heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und ein Mekka für Architekturfans.


Villa Tugendhat in Brünn


Andere avantgardistische Architekten wie Bohuslav Fuchs oder Ernst Wiesner schufen Villen, Mietshäuser, Banken, Geschäftshäuser, Cafés und Hotels, von denen viele die Zeit überdauert haben.


Plzeň (Pilsen)

Auch das westböhmische Plzeň (Pilsen) entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit zu einer modernen Großstadt. Adolf Loos, ein Pionier der funktionalistischen Architektur richtete dort zahlreiche Häuser für reiche jüdische Familien ein – hochwertig, schnörkellos und zeitlos schön. Insgesamt acht seiner Interieurs blieben erhalten, vier von ihnen können bei einer geführten Tour besichtigt werden.


Prager Kaffeehäuser wurden in der Zwischenkriegszeit zum bevorzugten Treffpunkt von Künstlern und Literaten. Der Maler Alfons Mucha schuf in dieser Zeit seinen berühmten Bilderzyklus „Slawisches Epos“, Leoš Janáček komponierte einige seiner bedeutendsten Opern und Sinfonien. Die tschechischen Kurorte erlebten eine neue Blüte, Böhmisches Glas, Autos von Škoda oder Schuhe von Bat’a wurden in aller Welt bekannt.

Kurort Jáchymov (St. Joachimsthal).

Touristische Routen führen zu bedeutenden Bauwerken aus der Zwischenkriegszeit. Mehrere große Ausstellungen widmen sich der Geschichte der Tschechoslowakischen Republik zwischen 1918 und 1939. Eine Wanderausstellung ist zwischen Juni und Dezember 2018 in insgesamt 24 Orten Tschechiens zu sehen, eine große Ausstellung im Prager Nationalmuseum widmet sich ab Oktober 2018 dieser Epoche. Ab Ende September 2018 zeigt das Technische Nationalmuseum in Prag bekannte Produkte „Made in Czechoslovakia“.

Obwohl Tschechien und die Slowakei seit 25 Jahren getrennte Wege gehen, vereint das gemeinsame Jubiläum. Mehrere Ausstellungen werden gemeinsam organisiert, darunter eine Schau über 100 Jahre Glaskunst in Tschechien und der Slowakei, die ab Oktober 2018 in der nordböhmischen Glas-Metropole Jablonec nad Nisou (Gablenz) zu sehen ist.

Alles rund um das 100. Jahr der Gründung der Tschechoslowakei sowie weitere touristische Informationen über Tschechien bietet CzechTourism unter www.czechtourism.com



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Mehr Info unter www.czechtourism.com/de/t/olomouc/, zum Techischen Zentrum unter http://munich.czechcentres.cz

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